NotizenHandwerk7 Min.
Notizen zum Satz von neun Schriften, ohne sie zu zerbrechen
Zeilenumbruch, Ligaturen, Oberlängen und gespiegelte Layouts. Die unglamouröse Arbeit, die entscheidet, ob eine Seite professionell wirkt.
Die meisten mehrsprachigen Websites scheitern optisch, bevor sie sprachlich scheitern. Die Wörter stimmen und die Seite sieht trotzdem falsch aus: Zeilen brechen mitten in einer Zusammensetzung, diakritische Zeichen stoßen an die Zeile darüber, in einem Rechts-nach-links-Layout klebt ein Button verloren links. Leserinnen verbuchen das nicht als Typografiefehler. Sie verbuchen es als billige Website.
Die Wiederholungstäter
- Japanisch und Thai kennen keine Wortabstände, deshalb bricht naives Umbrechen an der falschen Stelle, wenn die Engine die Sprache nicht kennt.
- Devanagari-Ligaturen werden abgeschnitten, wenn die Zeilenhöhe auf lateinische Ober- und Unterlängen abgestimmt ist.
- Arabisch und Hebräisch brauchen das gespiegelte Gesamtlayout, nicht nur gedrehte Textrichtung — Richtungs-Icons eingeschlossen.
- Koreanisch mischt Silbenblöcke mit lateinischen Lehnwörtern, und beide wollen unterschiedliche Laufweiten.
- Fallback-Schriften springen still für fehlende Zeichen ein — so landet eine Überschrift in drei Schriftarten.
Jede Korrektur ist klein. Ungefixt bleiben sie, weil keine einzelne je das Wichtigste auf einem Sprint-Board ist und die Leute, denen es auffiele, nicht im Raum sitzen.
Wie wir uns ehrlich halten
Jedes Template rendert vor dem Ausliefern in jeder unterstützten Schrift. Kein Beispielsatz — echter Inhalt in realistischer Länge, denn die Fehler zeigen sich in der zweiten Zeile, nicht in der ersten. Wir vergleichen das gerenderte Ergebnis mit der Vorversion, damit eine Abstandsänderung für eine Schrift nicht still eine andere ruiniert.
Es ist unglamouröse Arbeit und macht den größten Teil des Unterschieds zwischen einer generiert wirkenden und einer beauftragt wirkenden Website aus. Und es ist der Teil, bei dem wir am liebsten hören, dass wir ihn falsch gemacht haben.